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Titel

Aller Welt Freund



Der Titel des Romans ist "Aller Welt Freund" und es ist geschrieben worden von Jurek Beckler im Jahre 1982. Das Buch spielt in Deutschland in den 70'er Jahren.



Zuerst eine Biographie von Jurek Beckerweil weil dieser Lebenslauf sehr gut Einsicht gibt in die Hintergründe des Romans, selbsverständlich eine Quelle:



Jurek Becker ( 30.09.1937 - 14.03.1997)

Lebenslauf

Kindheit

Jurek Becker wurde am 30. September 1937 in Lodz, früher Litzmannstadt, in Polen geboren. Dieses Geburtsdatum ist jedoch völlig willkürlich gewählt, da ihn seine Vater im Getto älter gemacht hat, um ihn vor dem Abtransport zu bewahren. Später erinnerte er sich nicht mehr an das richtige Geburtsdatum. Wahrscheinlich ist Jurek Becker einige Jahre jünger als überall verzeichnet ist.



Seine Eltern waren Juden und sein Vater Max Becker (1900-1972), der ursprünglich aus Bayern stammte, arbeitete als Angestellter und später als Prokurist in einer Textilfabrik. 1939 wurde Jurek Becker zusammen mit seinen Eltern Bewohner des Gettos von Lodz. Im Alter von fünf Jahren kam er, getrennt von seinen Eltern, zunächst in das Konzentrationslager Ravensbrück und später nach Sachsenhausen. Als der Krieg zu Ende war, fand ihn sein Vater, der in Auschwitz überlebt hatte, mit Hilfe einer amerikanischen Suchorganisation wieder. Seine Mutter sowie ungefähr 20 weitere Familienmitglieder wurden umgebracht. Er hat kaum Erinnerungen an sie. Eine Tante, die vor dem Einmarsch der Deutschen in die USA geflüchtet ist, Jurek und sein Vater waren die einzigen Überlebenden.



Bis zu diesem Zeitpunkt hat Jurek Becker kaum Erinnerungen. Er selbst erklärt sich dies dadurch, dass er einen großen Teil verdrängt oder vergessen hat, und dass die Tage im Lager so grau und ereignislos waren, dass er nicht gelebt, sondern nur existiert hat:



"Ich war ein kleines Tier, das auf eine Art Überleben fixiert war. Ein zweiter Grund und, wie ich finde, ein sehr wichtiger, ist: meine Muttersprache ist Polnisch. Alle Erinnerungen, die ich habe, sind polnisch. Ich habe nach dem Krieg Deutsch gelernt und Polnisch schnell vergessen. Wahrscheinlich habe ich mit dem Vergessen der Sprache einen Großteil der Informationen, die in dieser Sprache abgespeichert waren, vergessen."1



Auch sein Vater half ihm nicht, die Erinnerungen wieder zu finden:



"Mein Vater hat nach dem Krieg relativ wenig getan, Erinnerungen in mir wach zu halten, ich würde sogar sagen, er hat viel getan, die Erinnerungen zu tilgen, zu löschen. Wenn ich mich recht erinnere, hat in unseren Gesprächen die damals unmittelbare Vergangenheit nie eine Rolle gespielt, im Gegenteil, er hat meine Fragen abgewimmelt - wahrscheinlich weil er betroffener davon war als ich."2

"Mein Vater hat mir nie etwas über solche Angelegenheiten erzählt. Zwischen uns herrschte ein Zustand der Sprachlosigkeit. Natürlich nicht über alles, doch über die Vergangenheit, über Krieg und Verfolgung."3



Aus diesem Grund versuchte Jurek Becker später mit Hilfe von Recherchen selbst etwas über die Vergangenheit heraus zu finden und die Ergebnisse in Geschichten zu verarbeiten:



"Dennoch habe ich Geschichten über Gettos geschrieben, als wäre ich ein Fachmann. Vielleicht habe ich gedacht, wenn ich nur lange genug schreibe, werden die Erinnerungen schon kommen. Vielleicht habe ich irgendwann auch angefangen, manche meiner Erfindungen für Erinnerungen zu halten. Ohne Erinnerungen an die Kindheit zu sein, das ist, als wärst du verurteilt, ständig eine Kiste mit dir herumzuschleppen, deren Inhalt du nicht kennst. Und je älter du wirst, um so schwerer kommt sie dir vor, und um so ungeduldiger wirst du, das Ding endlich zu öffnen."4



1945 zog Jurek Becker mit seinem Vater in die Lippehner Straße 5 nach Ost-Berlin, nur wenige S-Bahn-Stationen vom Lagereingang entfernt. Diese Entscheidung begründete der Vater damit, dass in der Sowjetischen Besatzungszone Antifaschisten an die Macht kamen und nirgends so gründlich gegen den Antisemitismus vorgegangen wurde als an der Stelle, an der er die größte Ausprägung erfahren hat. Max Becker unterschied auch später sehr stark zwischen sich und den Deutschen.



Das Verhältnis zwischen Jurek Becker und seinem Vater war nach Beckers eigener Aussage relativ gut, obwohl er hinzufügt:



"Die Schwierigkeit eines Dialogs mit meinem Vater erwuchs auch daraus, dass ich ein Monstrum war. Verstehen sie es bitte nicht als Überheblichkeit, wenn ich sage, dass mein Vater, der ein einfacher Mann war, Mühe hatte, mir gewachsen zu sein. In seinen Augen war ich ein Mittelding zwischen Intelligenzbestie und Kindskopf."5



Über die Beziehung zu seiner Stiefmutter hat sich Jurek Becker hingegen nie geäußert. Das größte Problem in Ost-Berlin erwuchs ihm aus der einfachen Tatsache, dass Jurek Becker die deutsche Sprache nicht beherrschte.



"Deutsch ist nicht meine Muttersprache, ich komme vom Polnischen her. Erst mit acht, fast neun Jahren fing ich an, Deutsch zu lernen, mein Polnisch war da aber ganz und gar nicht das eines Neunjährigen. Es war im Sprachumfang eines Vierjährigen steckengeblieben, denn in diesem Alter wurde ich Umständen ausgesetzt, in denen Sprache so gut wie überflüssig war. Die ersten deutschen Vokabeln, an die ich mich erinnere, stammen aus jener Zeit: "Alles alle", "Antreten Zählappell!" und "Dalli-dalli".6

"Als ich acht Jahre alt war, hörte mein Vater, der letzte nach dem Krieg mir verbliebene Verwandte, von einem Tag zum nächsten auf, mit mir polnisch zu sprechen; seine Absicht war die beste, er vermutete, dass mir gar nichts anderes übrig bleiben würde, als im Handumdrehen Deutsch zu lernen. Was er nicht bedacht hat, war, dass ich das Polnische viel schneller vergaß, als ich die neue Sprache lernte. So musste ich einige Zeit buchstäblich sprachlos leben."7



Vor allem in der Schule war die Situation schwierig, da er überall als Fremder und früher Verfolgter erkannt wurde und ihn die Mitschüler mit Verachtung straften.



Es war für mich beinahe eine Existenzfrage, so schnell wie möglich mein Deutsch zu verbessern: Je eher ich die Fehler ausmerzte, um so seltener wurden die anderen darauf gestoßen, dass ich ein Fremder war.8



Es bedeutete für ihn das größte Glück, Fehler zu vermeiden. Ansonsten war das Leben in Ost-Berlin akzeptabel, da sie als Juden einige Privilegien genossen und z. B. bessere Lebensmittelkarten bekamen.



Studium und frühe Berufstätigkeit



1955 machte Jurek Becker das Abitur und leistete anschließend zwei Jahre Militärdienst in der Nationalen Volksarmee. Außerdem war er Mitglied der FDJ.



Gegen den Willen seines Vaters, der wollte, dass er Arzt wird, entschied er sich 1957 für das Studium der Philosophie und wurde Mitglied der SED. Nach sechs Semestern wurde er 1960 aus politischen Gründen von der Universität relegiert und wurde freier Schriftsteller.



1960 begann er ein kurzes Film-Szenarium-Studium im DDR-Filmzentrum Babelsberg und schrieb mehrere Kabarett-Texte. 1962 war er fest angestellter Drehbuchautor bei der DEFA und schrieb einige Fernsehspiele und Drehbücher.



Freier Schriftsteller



Als 1968 sein Drehbuch "Jakob der Lügner" abgelehnt wurde, arbeitete er es zu seinem ersten Roman um, der 1969 erschien und 1974 doch noch verfilmt wurde. 1971 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis und den Charles-Veillon-Preis. 1972 starb sein Vater und Jurek Becker wurde Mitglied im PEN der DDR.



1973 erschien sein zweiter Roman "Irreführung der Behörden". Außerdem wurde er in den Vorstand des Schriftstellerverbandes gewählt. 1974 erhielt er für "Irreführung der Behörden" den Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen, und 1975 den Nationalpreis der DDR für Literatur.



1976 unterzeichnete der politisch engagierte Jurek Becker mit elf weiteren Schriftstellern einen Brief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, was mit dem Ausschluss aus der SED bestraft wurde. Der Roman "Der Boxer" erschien. 1977 trat Jurek Becker aus Protest gegen den Ausschluss Reiner Kunzes aus dem Schriftstellerverband aus und zog mit Genehmigung der DDR-Behörden in den Westen, da seine Bücher in der DDR nicht mehr verlegt und Filmprojekte abgelehnt wurden.



Außerdem war er der Meinung, dass ständige politische Auseinandersetzungen für die Literatur nur negative Auswirkungen hätten. Trotzdem betonte er:



"Wenn ich in der DDR mein Zeug publizieren könnte und mir nicht die Öffentlichkeit genommen würde, möchte ich von morgen an wieder in der DDR leben."9



Er empfand nie ein Zugehörigkeitsgefühl zur BRD, ist nirgends zu Hause. Auf die Frage, welche Enttäuschungen er beim Aufenthalt im Westen erlebt hatte, antwortete er:



"Plötzlich bin ich gezwungen, mich als Jude zu fühlen, was in meinem Leben in der DDR so gut wie keine Rolle gespielt hat."10



Von 1978 - 1984 erschienen zwei weitere Romane ("Schlaflose Tage" ((1978)) und "Aller Welt Freund" ((1982))) und eine Sammlung von Erzählungen ("Nach der ersten Zukunft" ((1980))). Jurek Becker war Gastprofessor an Universitäten und hielt mehrere programmatische Vorträge.



1986 erschien der Roman "Bronsteins Kinder". Außerdem schrieb er in diesem Jahr das Drehbuch für die erfolgreiche Fernsehserie "Liebling Kreuzberg", für die er 1987 zusammen mit seinem besten Freund Manfred Krug und Heinz Schirk mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet wurde. Jurek Becker über Manfred Krug:



"Niemand sollte erwarten, dass ich sachlich, unbefangen oder gar vorurteilsfrei über M. Krug schreiben könnte, denn ich sehe ihn mit verklärten Augen. ... Unter allen Lebenden gibt es keine, mit dem ich so lange bekannt wäre, von befreundet gar nicht zu reden. ... Kaum waren wir uns begegnet, zogen wir zusammen."11



Jurek Becker betont, wie sehr ihn M. Krug geprägt hat, da sich dieser ebenfalls ständig geweigert hat sich anzupassen. Jurek Becker machte 1989 als Gastdozent in Frankfurt und 1992 mit seinem bisher letzten Roman "Amanda herzlos" von sich reden.



Der überzeugte Sozialist Becker war immer gegen eine Wiedervereinigung von DDR und BRD. Seine Begründung:



"Der Westen hat gewonnen, das ist das Problem. Wir im Westen leben in Gesellschaften ohne Zielvorstellungen. Wenn es doch so etwas wie ein Programm gibt, dann lautet es: Umsatz."12



Einer der wenigen Gründe für Beckers Bruch mit der SED war, neben dem Fehlen der freien Meinungsäußerung, die ostdeutsche Beteiligung am Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die CSSR 1968 und die öffentliche Diskussion, die eben nicht stattgefunden hat.



Jurek Becker spricht ungern über sein Privatleben. Es ist nur bekannt, dass er zwei Söhne hat und mit seiner zweiten Frau Christine verheiratet ist.



Jurek Becker und sein Judentum



Auf die Frage, ob er Jude sei, antwortet Jurek Becker normalerweise:



"Meine Eltern waren Juden."13



Er selbst bezeichnet sich als Atheist. Von seinem Vater wurde er nie ins Judentum eingeführt und ist nicht von alleine hineingewachsen. Sein Vater ging nur selten in die Synagoge, und wenn, dann auch nur, um dort Menschen mit der gleichen Vergangenheit zu treffen. Jurek durfte ihn nie begleiten. Nach eigenen Angaben war er nur einmal kurz vor einem Drehtermin für das Fernsehen in einer Synagoge, um den Ablauf kennen zu lernen und richtig wiedergeben zu können. Das eigene Verständnis seines Vaters in Bezug auf das Judentum war geprägt von der Aussage:



"Wenn es keinen Antisemitismus geben würde - denkst du, ich hätte mich auch nur eine Sekunde als Jude gefühlt?"14



Diese Einstellung scheint Jurek Becker in gewisser Weise geerbt zu haben.



Jurek Becker - der Schriftsteller



Jurek Becker, der selbst sehr vielseitig ist und Romane, Erzählungen, Kurzgeschichten, politische Glossen, Kommentare, Fernsehserien und Filme sowie Kabarett-Texte geschrieben hat, antwortet auf die Frage nach dem Grund für das Schreiben:



"Ich vermute, dass seit den Anfängen von Literatur der wesentlichste Antrieb zum Schreiben das Bedürfnis nach Stellungnahme gewesen ist, also nach Widerspruch."15



Außerdem müsse der Autor selbst das Werk für wichtig halten:



"Wenn ich ein Buch anfange, brauche ich die Überzeugung, dass es ein trauriger Verlust wäre, wenn das Buch ungeschrieben bliebe."16



Da er aber an einem Roman mindestens zwei Jahre arbeite und "Bronsteins Kinder" sogar zehn Jahre lang plante, fügt er hinzu:



"Ein Buch muss für mich schon mehr Grund haben als einen aktuellen Anlass"17 und "Der wichtigste und wahrscheinlich einzig ausschlaggebende Grund für ein Buch bin ich."18



Jurek Becker behandelt in seinen Werken im Wesentlichen zwei Themenkreise. Zum Einen setzt er sich mit den geschichtlichen Erlebnissen, dem Holocaust, dem Gettoalltag, den Problemen bei der Verarbeitung dieser Erfahrungen und der Erinnerungsarbeit aus der Perspektive der Betroffenen auseinander. In dieser Beziehung spielt auch das Verhältnis der Juden zu den Deutschen eine wichtige Rolle. Dieses Themengebiet verarbeitet Jurek Becker vor allem in den Romanen "Jakob der Lügner" (1969), "Der Boxer" (1976) und "Bronsteins Kinder" (1986). Auf der anderen Seite aber beschäftigt sich Jurek Becker aber auch mit aktuellen Themen, in erster Linie mit dem Leben in einem sozialistischen Staat wie der DDR, und mit dem Opportunismus großer Teile der Bevölkerung:



"Was ich weiß und was mir bewusst ist, dass der Opportunismus immer ein reizvolles Thema für mich gewesen ist - die Wurzeln von Anpassung, die Gründe von Anpassung, die Folgen von Anpassung."19



Dieses Thema spielt in "Irreführung der Behörden" (1973), "Schlaflose Tage" (1978) und "Amanda herzlos" (1992) die zentrale Rolle.



Man muss jedoch betonen, dass Jurek Becker nicht einfach von eigenen Erlebnissen berichtet. Er selbst betont immer wider die Fiktionalität der Literatur:



"Das meiste, was ich erlebe, ist nicht gut genug, um es aufzuschreiben. Ich nehme mir davon, was ich brauche."20



Aus diesem Grund spielen Erfahrungen zwar eine große Rolle, werden aber nur partiell verarbeitet und bearbeitet. Jurek Becker will keine wirklichen Erlebnisse und realen Konstellationen, sondern mögliche, vorstellbare Ereignisse schildern, das Vorstellbare sei besser als das Bekannte. Die künstlerische Bearbeitung des Materials ist ihm sehr wichtig. Diese Methode beschreibt er, wenn er sagt:



"Weder mein Vater noch ich waren in der Situation, die hier beschrieben wird. Trotzdem hatte ich natürlich uns beide vor Augen."21



Für den Roman "Jakob der Lügner" recherchierte er die Gettowirklichkeit so genau wie möglich, um sie dann bewusst anders zu schildern, da es sich bei einer bestimmten Art der Darstellung nicht um eine Unfähigkeit, sondern um eine absichtliche Produktion handeln solle.



Sein Vater teilte diese Meinung allerdings nicht. Er hatte ihm die Grundlagen für den Roman "Jakob der Lügner" geliefert und war über das Ergebnis so entsetzt, dass er ein Jahr lang nicht mehr mit seinem Sohn sprach. Seiner Meinung nach hätte Jurek Becker einem Helden des Zweiten Weltkrieges eine Denkmal setzen sollen und zumindest versuchen müssen, die Geschichte wahrheitsgetreu wiederzugeben.



Jurek Becker möchte aber das Unsichtbare sichtbar machen, indem er die Situation aus einer anderen Perspektive zeigt. Dies mag auch ein Grund dafür sein, dass Jurek Becker Autoren bewundert, die spielerisch mit der Sprache umgehen und bewusst Regeln verletzen. Ihm selbst liege dieser Umgang mit der Sprache nicht, er suche immer die eine richtige Formulierung, was sicher mit seinen Kindheitserfahrungen zu tun hat. Er versucht aber trotzdem immer, den einem Stoff unangemessenen Sprachstil zu finden. Bei tragischen Themen verwendet er eine humorvolle, ironische Sprache und schafft damit eine gewisse Distanz, vielleicht auch, weil er von sich selbst sagt, dass er Sentimentalität hasst und ihm außerdem das Provokative immer besser in Erinnerung bleibt als das Angemessene.



Eine lockere, klare und präzise Sprache, eine szenische Strukturierung und ein Verschachtelungsverfahren, sowie eine Abgrenzung und Isolierung der Hauptperson kennzeichnen alle seine Werke.



Einen gewissen Einfluss Kafkas auf seine Werke hält Jurek Becker für möglich, da auch für ihn Kleinigkeiten eine wichtige Rolle spielen und er Kafka allgemein bewundere, aber einer Verbindung zur jüdischen Erzähltradition widerspricht er eifrig. Scholem Alejschems habe er erst spät kennen gelernt und Isaac Baschevi Singer kenne er überhaupt nicht.



Sein Vater, der übrigens nur bei dem Roman "Der Boxer" intensiv als Vorlage diente, habe früher immer Geschichten erzählt. Wahrscheinlich habe er es von ihm übernommen. Auffällig ist, dass Mütter in Jurek Beckers Werken kaum eine Rolle spielen. Die Begründung liegt ganz offensichtlich darin Jurek Becker keinerlei Erinnerung an seine eigene Mutter hat.



Jurek Becker ist sehr selbstkritisch, was durch folgende Aussagen deutlich wird:



"Schreiben ist nichts anderes als eine endlose Reihe von Zweifeln, die zugunsten eines Satzes schließlich überwunden werden müssen."22 "Ich habe inzwischen einige Bücher geschrieben, die mich ziemlich enttäuschen."23 "Ich glaube schon, dass ich so schreibe, wie ich schreiben will. Das stimmt nur bedingt - ich würde gern besser schreiben, aber das kann ich nicht."24 "Meistens, wenn ein Buch von mir erscheint, befällt mich geradezu schlagartig, wenn ich das Buch in der Hand habe, ein tiefes Unglück. Auf wunderbare Weise sehe ich - von einer Sekunde zur anderen - die ganze Unfertigkeit dieser Sache."25



Anmerkung zum Roman "Bronsteins Kinder"



Der Roman sollte ursprünglich "Wie ich ein Deutscher wurde" heißen; da Jurek Becker aber von verschiedenen Seiten abgeraten wurde, nannte er ihn "Bronsteins Kinder". Für den Roman spielt der Titel kaum eine Rolle. Bronstein war der bürgerliche Name von Leo Trotzki, dem militärischen Organisator der Oktoberrevolution, dem Weggefährten Lenins und dem Opfer stalinistischen Verfolgungswahns (1940 im Exil ermordet).



Jurek Becker über die Literatur in der DDR und der BRD



Die Literatur der DDR war von einer wichtigen Institution geprägt - der Zensur. Eigentlich hält Jurek Becker die Literatur gar nicht für so einflussreich, dass ein Verbot gerechtfertigt wäre, aber gerade durch die Zensur nahm ihre Bedeutung in der DDR zu. Sobald der Zensor das Verbot eines Buches in Betracht zog, nahm das Interesse daran zu. Da es in der DDR außerdem keine offenen Diskussion und keine freien Medien gab, wurde die Literatur noch wichtiger.



"Immer wieder waren Bücher imstande, Unruhe zu erzeugen oder in gesellschaftliche Auseinandersetzungen einzugreifen, ja, sie gar erst zu entfachen, auf eine Weise, wie es im Westen schwer vorstellbar ist. Für viele Leute waren Bücher wie ein Lebensmittel; man brauchte sie nicht nur als ein Freizeitvergnügen, sondern um mit seiner Existenz besser fertig zu werden."26



Der Leser in der DDR wünschte Parteinahme, und da er vom Zensor wusste, nahm er feinste Andeutungen wahr, akzeptierte Umschreibungen und war darin geübt, in literarischen Texten nach verborgenen Informationen zu suchen, die nicht offen ausgesprochen werden konnten. Der Platz zwischen den Zeilen hatte größte Bedeutung, und die Autoren eigneten sich regelrecht eine Technik des Zwischen-den-Zeilen-Schreibens an, um den Zensor zu überlisten.



Jurek Becker weist allerdings darauf hin, dass die Literatur nicht als "Vehikel" benutzt werden dürfe, um damit Meinungen zu transportieren, sondern dass sich der Leser seine Meinung selbst bilden müsse.



"Bei Proust gibt's den Satz: 'Ein Buch, in dem die Ansicht des Autors steht, ist wie ein Gegenstand, an dem das Preisschild hängt'. Dieser Satz ist nicht misszuverstehen als Forderung nach Ansichtslosigkeit und Meinungslosigkeit. Das ist vielleicht das, was man Kunst nennen könnte: Etwas präsent sein zu lassen, ohne dass man es fixieren kann."27



Jurek Becker spricht aber auch von der Gefahr, dass ein Autor in der DDR, dessen erstes Buch verboten und dessen zweites Buch genehmigt wurde, leicht in den Verdacht geriet, sich unterzuordnen und anzupassen.



Auf der anderen Seite war ein Verbot in der DDR meistens die Eintrittskarte für den Buchmarkt der BRD, und manche Bücher seien nur mit der Absicht geschrieben worden, sie in der DDR verbieten zu lassen. Trotzdem konnte der Zensor nicht als Spielball des Autors angesehen werden, da er auch in der Lage war, die Arbeit mehrerer Jahre zunichte zu machen und auch in anderen Bereichen zu "wirken" - bei Jurek Becker wurden Filme abgelehnt und Nachdrucke verhindert. Auf diese Weise hatte die Zensur an jedem Buch ihren Anteil, da sie die Autoren zumindest indirekt beeinflusste, man spricht von der "Schere im Kopf" des Autors. Becker räumt sogar einen gewissen Einfluss auf sich selbst ein:



"Habe ich nie, mich als Taktiker fühlend, auf Schärfe verzichtet und mir damit Unschärfe eingehandelt?"28



(Sein Roman "Irreführung der Behörden wäre in der DDR fast verboten worden.)



Aus diesem Grund blühte in der DDR die als staatstragend und beispielhaft geltende, vom Zensor unterstützte Trivialliteratur, die meist eine simulierte Meinungsverschiedenheit enthielt und ein "heißes Eisen" vortäuschte, aber völlig harmlos war. Der ganze Sinn der "zur Instanz gewordenen Geistlosigkeit"29 war, laut Becker, nicht das Verbot von z. B. vier Büchern, sondern das Verhindern, dass fünfzig andere überhaupt geschrieben wurden. Entweder die Zensur beugte die Autoren, oder sie produzierte genau das, was sie verhindern wollte.



Becker kritisiert aber nicht nur die Verhältnisse in der DDR, sondern auch die in der BRD, da die Literatur hier seiner Meinung nach als reiner Wirtschaftszweig angesehen wird, und die Autoren, wie Vertreter, die ihre Ware verkaufen wollen, Marktforschung betreiben müssen, um Erfolg zu haben. Das Desinteresse an öffentlichen Angelegenheiten verbreitet sich immer mehr, und die Literatur, die sich nach den Wünschen der Gesellschaft richten muss, wird immer mehr zur reinen Unterhaltung. Diese Bewegung, die von den Verlagen unterstützt wird, zwingt also die Autoren, die mit ihrem Beruf schließlich auch Geld verdienen müssen, immer mehr zur Meinungslosigkeit, zu einem Einverständnis und einer Freundlichkeit, die Jurek Becker mit dem Privatfernsehen vergleicht. Jegliche Art von Auflehnung, Widerspruch, Aufruhr, Maßlosigkeit und Übertreibung fehle. Da Jurek Becker aber gerade das alles von Büchern fordert, kommt er zu der Folgerung:



"Ich komme in einen Buchladen und fühle mich umzingelt von Überflüssigem, umzingelt von Büchern, die nach meiner Meinung besser nicht geschrieben worden wären, die im Grunde die Leute belästigen."30



Ein Problem sieht Jurek Becker allerdings darin, dass sich Autoren aus der DDR diesem westdeutschen Buchmarkt in einer unangenehmen Form anpassen mussten. Von ihnen wurde nämlich gerade das Gegenteil verlangt. Sie sollten im Gegensatz zu ihren westdeutschen Kollegen Widerstandskämpfer sein, und in der DDR für Unruhe sorgen, aber wirklich nur in der DDR! Über die Verhältnisse in der BRD sollten sie sich ja nicht äußern oder sich in irgendeiner Form einmischen.



Jurek Becker beschreibt die Situation folgendermaßen:



"So wie er nicht dem Druck ausgesetzt sein sollte, die bestehenden Verhältnisse zu verteidigen (was er in der DDR zweifellos ist), sollte er sie auch nicht angreifen müssen (wozu er in der DDR, wenn er hier im Westen etwas gelten will, gezwungen ist)."31



Für den Schriftsteller in der DDR stellte sich also die Frage, ob er sich der Zensur unterordnen, oder im Westen darüber berichten sollte, wobei allen Autoren, die weiter in der DDR leben wollten, nur die erste Möglichkeit blieb, da sie sonst ständig mit Problemen zu rechnen hatten.



Nach der Wiedervereinigung



Jurek Becker ist überzeugt, dass es keine Wiedervereinigung der Literatur der BRD und der DDR geben wird, schon allein deshalb, weil die Literatur der BRD immer schlechter wird, dass sich aber auch die Literatur der DDR stark verändern wird, einfach schon aus dem Grund, weil die Zensur wegfällt, und die Diskussion über politische Probleme nicht mehr in literarischen Werken stattfinden muss.



Literatur



H.L.Arnold [Hrsg]: Jurek Becker. Text und Kritik Heft 116 Jurek Becker, Ende des Größenwahns. Aufsätze, Vorträge. Frankfurt 1996 Jurek Becker, Warnung vor dem Schriftsteller (=WvdS). Drei Vorlesungen. es 1601, S. 10 Manfred Brauneck, Autoren Lexikon deutschsprachiger Literatur des 20. Jahrhunderts Karin Graf und Ulrich Konietzky, Werkheft Literatur (=WL), Judicium-Verlag, Volker Hage, Alles erfunden. Portraits deutscher und amerikanischer Autoren (=Ae), Reinbek 1988 Irene Heidelberger-Leonard [Hrsg.]: Jurek Becker, suhrkamp materialien (=mat), Frankfurt 1992 Wolfgang Pasche, Jurek Becker "Bronsteins Kinder". Klett Lektürehilfen. Stuttgart 1994



Quelle:

Daniela Bazer hat dieses Referat für den Grundkurs Deutsch verfasst und im Frühjahr/Sommer 1997 ihr Abitur gemacht.



Jezt wird in einigen Sätzen die Inhalt des Buches wiedergegeben:



Es geht um Kilian. Kilian ist ein junger Mann. Er ist Nachrichtenredakteur, er ist unverheiratet, aber seit Jahren befreundet mit Sarah. Kilian wohnt in Untermiete bei Frau Abraham. Soweit sind die Verhältnisse überschaubar. Doch die Erzählung beginnt am Montag, an jenem Tag, als Frau Abraham zur Reise aufgebrochen war und Kilian das lange Geplante in die Tat umgesetzt hat: den Selbstmordversuch. Aber das Ende eines vorhufigen Versuchs ist lediglich ein gebrocher Arm. Warum das? Nicht nur Kilian äußert sich. Eine unglückliche Liebesgeschichte ist es nicht; es gibt gründlichere Gründe. Seit vier Jahre arbeitet er als Nachrichtenredakteur. Und die Nachrichten sir schlecht, schlimmer noch, sie werden immer schlechter.

Das ist alles? Ist nur Kilian auf dieser Welt so sensibel ausgerichtet, daß er an dieser Welt zugrunde gehen muß? So glaubt er und verschweigt den anderen die Wahrheit.

Das Buch ist so traurig, wie ein Mensch nur traurig sein kann. Aber es hat darüber ein Lächeln, von einer Innigkeit, wie man es ganz selten in sich verspürt, wenn einer zu uns kommt mit den Trübnissen dieser Welt. Und das macht Autor und Buch rühmenswert.



Quelle: Georg Ramseger, St. Galler Tagblatt.

Der Titel ist schwierig zu erklären; zuert denkt man im Buch, daß Kilian "Aller Welt Feind" ist! Er irritiert sich an die Nachrichten und an die Welt. Niemand kann ihm etwas gutes tun und auf die Weise kann man sprechen über ein "Feind des Weltes". Später im Buch aber spricht er mit seinem Bruder Manfred über sein Leben und dann erzählt Manfred, daß Kilian Aller Welt Freund ist, und er gibt eine Umschreibung von dieser Art von Menschen: "Nun gebe es viele Menschen mit übersteigertem Harmoniebedürfnis. Doch was für Konsequenzen zögen diese Leute? Natürlich versuchten sie, Auseinandersetzungen die Schärfe zu nehmen, ja, sie nach Möglichkeit zu verhindern. Sie strengten sich an, ihre Verständungsbereitschaft wie eine Fahne über dem Kopf zu tragen, um so den guten Willen der anderen herauszufordern. Sie vermieden Kollisonen, nicht etwa aus Feigheit, nicht etwa aus Anpasserei, sondern weil sie begriffen hätten, daß die Auseinandersetzung selbst ihnen schon Schaden bringe, ganz unabhängig von deren Ausgang. So, und nicht anders verhalten sich halbwegs gescheite Leute, denen mit aller Welt gut Freund zu sein genausoviel bedeute wie mir." Hier wird viel mehr deutlicht wofür Kilian Aller Welt Freund genannt wird.



Das Thema des Buches wird selbstverständlich gebildet durch Selbstmord und Probleme. Nicht sosehr die Probleme der Hauptperson, sondern vielmehr die Probleme der Welt. Also ein gutes Thema würde sein: "Wie Weltprobleme zu Selbsmord führen können". Das Thema ist ganz Aktuell, weil die Selbstmorde immer noch zunehmen, es scheint einfach die Probleme der Welts hinter sich zu lassen durch sichselbst das Leben zu nehmen. Ich denke daß das Thema noch mehr Aktuell war in der Zeit wo dieses Buch geschrieben wurde. In den Tagen war es ein ganz neues Phenomen, jezt sind wir mehr gewöhnt daran.



Das Buch ist sehr anders aufgebaut als normal. Meistens wird zu einem Klimax geführt und geschiet am Ende etwas Besonders. In diesem Buch gescheht das Besondere ganz am Anfang. Weiter in dem Buch wird nur die Folge der Probleme bescheben, und man bemerkt nicht soviel Entwicklung bei der Hauptperson. Zeitsprünge gibt's überhaupt nicht soviele. Auch werden nicht mehrehe Erzählperspektive hantiert.



Fünf andere Titel für das Buch könnten sein:



Aller Welt Feind habe ich vorher erklärt.



Geplannter Versuch Kilian hat den Selbstmordversuch schon lange geplant, und erst ausgeführt wo Frau Abraham eine lange Reise unternimmt. Es ist ja sehr verwunderlich, daß es ihm nicht gelingt.



Mißkommunikationen Das Buch ist gefüllt mit vielen Arten von Mißkommunikation, alles wird duch die Hauptperson anders augefaßt als es duch die Welt gemeint ist, und andersherum.



Gebrochenes Arm Bei dem Selbstmordversuch bricht Kilian seinen Arm. Das kommt immer wieder zurück im Buch weil "Arm" im diesem Buch ein Motiv ist.



Selbstmord durch die Gesellschaft Kilian versucht sich das Leben zu nehmen durch die Probleme die die Gesellschaft ihm bringen. Also es sind nicht seine eigene Probleme, sondern die des anderen deren Lasten er tragen muß.



Einige Motive und Symbole:



Arm - habe ich vorher genannt.

Selbstmord - Das kommt immer wieder zurück und ist neben Thema auch einen Motiv.

Kneipe - Immer wenn Kilian es schwierig hat, geht er in die Kneipe. Ich denke dieses ist neben Motiv auch einen Symbol, weil es heutzutage immer noch so ist, daß wenn man Probleme hat, sich vollsauft..

Familie - Immer wird Kilian konfrontiert mit seiner Familie; es scheint so daß seine ganze Familie ihn besucht und versucht herauszufinden was mit Kilian los ist.

Eines Tages entdeckt Kilian, daß seine Freundin seine Mutter viel ähnlich ist. Das ist ein Litarär-Historisches Motiv.



Wenn wir das Wirklichkeitsgehalte untersuchen sollen müssen wir leider sagen, daß diese Sachen wirklichkeit sind. Selbstmord kommt viel vor, aber ich glaube die Ursachen sind jetzt anders. Ich glaube nicht, daß viele Menschen sich selbet umbringen weil die Probleme in der Gesellschaft so groß sind. Vielmehr kummert man sich um seine eigene Probleme, aber davon wird in diesem Buch nicht gesprochen.
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